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DORFKIRCHENSOMMER: Vier Besichtigungen auf einen Schlag
Gut ein Dutzend Interessenten fanden sich am Wochenende zur „RadKulTour“ in der Ahrensdorfer Kirche ein. „Viel weniger als erwartet und sich angemeldet hatten“, kommentierte Christine Dunkel aus Stahnsdorf ein wenig enttäuscht. Mag sein, das gute Wetter bot viele andere Möglichkeiten, den Nachmittag zu verbringen. Seit vier Jahren führt der Verein Regionalmarketing „Der Teltow“ Radtouren mit Besichtigung mehrerer Kirchen durch. Jedes Mal wird dabei eine andere Route abgefahren. Christine Dunkel ist von Anfang an dabei, sie führt die Gruppe und sichert mit anderen Vereinsmitgliedern den Fahrradpulk.
Die Strecke, die den Bikern in diesem Jahr vorgeschlagen wurde, dirigierte sie von der Dorfkirche Ahrensdorf über Nudow und Gröben nach Siethen. In den Kirchen empfingen Gemeindeglieder die radelnden Gäste, erzählten Wissenswertes, Spannendes und Unterhaltsames über ihr Gotteshaus.
In Ahrensdorf stand Pfarrer Peter Collatz bereit und kündigte an, dass die Führungen durch die Gröbener und Siethener Kirche ebenfalls von ihm geleitet würden, die Urlaubszeit verhindere den Einsatz der Ehrenamtlichen vor Ort, die ansonsten bereit stünden. Das tat der Veranstaltung jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: Wer Pfarrer Collatz kennt, weiß, dass er vortrefflich Geschichtliches mit Anekdoten verweben kann.
So kam er nach den historischen Eckdaten der Kirchen und einem Vergleich der vier auf dem Programm stehenden Häuser schnell zu Ereignissen und Geschichten, die durch die Kirchenbücher überliefert sind. Er las daraus und fesselte seine Zuhörer. Nicht nur das bekannteste und älteste in der Region, das Gröben-Siethener, ist lesenswert.
Die Gäste erfuhren, wie sich ein Ahrensdorfer Gemeindehirte im 18. Jahrhundert eine noch heute zu besichtigende Gedenkplatte in der Kirche kaufte, um an seine verstorbene 18-jährige Ehefrau zu erinnern. Er hatte das 15-jährige Mädchen gefreit, sie starb an einer Krankheit des Herzens und des Kopfes und er huldigte in einem blumigen, langen Eintrag im Kirchenbuch ihrer Jugend und Unverderbtheit.
Die Schlichtheit der Kirche ist auch darin begründet, dass die Bauern selbst sie finanzierten, „und die wussten ihr Geld zusammenzuhalten“, so Pfarrer Collatz.
Ein altes Stundenglas, also eine Sanduhr, hängt direkt neben der Kanzel. „Die Wendung ,Wollen wir noch ein Glas nehmen?’ stammt womöglich daher, dass der Pfarrer die Gemeinde fragte, ob er das Glas der Uhr noch einmal umdrehen und weiterreden sollte – und nicht vom Biertisch“, meinte Collatz.
Das Nudower Gotteshaus als eine der wenigen märkischen Kronkirchen ist nach Vorstellungen und mit dem Geld der Königsfamilie üppiger ausgestaltet. In Gröben und Siethen sorgten Geldbeutel und Geschmack der Gutsbesitzer als jeweilige Patronatsherren für Erhaltung und Interieur der Kirchen. Tourbesucher Peter Dörrie aus Lichterfelde, das erste Mal mit dabei, war voll des Lobes über die Veranstaltung: „Ganz toll, dass man so die Kirchen in der Umgebung endlich mal kennen lernt“.

(Von Andrea von Fournier)
MAZ, 8.6.2010